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Watch your Tail! oder Der erfolgreiche Einstieg ins Dogfighten

Viele kennen es vom Hörensagen oder aus Zeitschriften, aber die wenigsten wissen etwas genaueres darüber. Mit diesem Artikel soll dem interessierten Leser ein Einblick in die Szene und vor allem die Technik und Aerodynamik der Dogfightmodelle gegeben werden. In den letzten Jahren hat sich in Europa in Bezug auf das Dogfighten eine ganze Menge getan, auch bei uns hier in der Akamodell Stuttgart e.V. an der Universität Stuttgart. Wir sind hier seit einiger Zeit eine kleine Gruppe von begeisterten Anhängern dieser Modellsparte und haben uns in den letzten Monaten intensiv mit dieser hier in Deutschland noch relativ unbekannten Wettbewerbsform beschäftigt. Da es in den verschiedensten Fachzeitschriften eine Reihe von Veröffentlichungen gab, in denen unter anderem immer wieder von verschiedenen Regelwerken die Rede war, kam es auch bei uns immer wieder zu Unstimmigkeiten, wie jetzt die Modelle gebaut werden müssen, wie die Motorisierung auszusehen hat etc. Diese Unterschiede kommen daher, daß sich das Reglement hier in Europa von dem in den USA in vielerlei Hinsicht unterscheidet, und sich die verschiedenen Artikel mal auf dieses und dann mal wieder auf das andere Reglement bezogen. Deshalb möchte ich hier zunächst mal einen kurzen Abriß über die wichtigsten Regeldetails, Modelle und deren Motorisierung betreffen, machen Stand: März 1998).Aktuelle Regeln hier Das Dogfighten, auch Aircombat genannt, ist der Luftkampf mit Modellen von Jägern des 2. Weltkrieges im Maßstab 1:12. Es fliegen 2 bis 6 Piloten gleichzeitig gegeneinander. An jedem Modell ist ein 12m langer Schwanz aus Kreppapier, der Streamer, befestigt. Ziel des Wettkampfes ist es (wie bei der Fuchsschwanzjagd), den generischen Streamer abzuschneiden. Außerdem gibt es Punkte für die Flugzeit. Wie bereits erwähnt sind die Modelle (Semi-) Scale-Nachbauten von Jägern des 2. Weltkrieges. Dabei dürfen Spannweite und Länge um 5%, Rumpfhöhe und -breite um 20%, alle anderen Maße, die größer als 10cm sind um 25% vom Original abweichen. Grundsätzlich gilt für alle Modelle die maximale Motorgröße von 2,5cm³. Nur wenn das Vorbild mehr als 12m Spannweite, 25 m² Flächeninhalt und das Modell mehr als 1m Spannweite haben, darf ein 3,5er eingesetzt werden. Dies gilt z.B. für die Chance-Vought Corsair, Hawker Typhoon und Focke Wulf TA-152. Mehrmotorige dürfen mit maximal 2,5cm³ je Motor ausgerüstet werden, Eletro-Antriebe sind unbegrenzt zulässig. Als Schalldämpfer sind grundsätzlich Expansionsdämpfer zugelassen (mit Ausnahme für Impellermodelle) und der maximale Lärmpegel liegt bei 96dBA in 3m Entfernung. So, jetzt aber zum eigentlichen Teil dieses Berichts, der Technik der Flieger.

Modellauswahl

Für Anfänger und ungeübtere Piloten gilt ganz klar, ein Flieger mit mehr als 1m Spannweite und einem 3,5er ist hier angebracht. Aber auch die "Profis" und solche, die es noch werden wollen, sollten diese Modellgröße nicht außer Acht lassen, denn je nach Vorbild kann ein solches Modell unter Umständen sogar deutliche Vorteile einbringen. Ein Beispiel (Maße Vorbild/Modell): Grumman F8F-1B Bearcat Hawker Hurricane MK I Spannweite 10,92m / 91cm Spannweite 12,19m / 102cm Länge 8,61m / 72cm Länge 9,73m / 81cm Flügelfläche 22,67m² / 15,7dm² Flügelfläche 23,92m² / 16,6dm² Hier sieht man sofort deutlich, daß beide Flieger als Modell ähnlich groß sind, die Hurricane mit einem 3,5er bestückt werden darf, die Bearcat aber nur mit einem 2,5er. Außerdem hat die Bearcat im Original einen Sternmotor, der sich im Modell durch einen Motorhaubendurchmesser von fast 10cm äußert, während die Hurricane mit einem Reihenmotor und deshalb mit einer ziemlich schlanken Motorhaube aufwarten kann. Rein vom aerodynamischen Standpunkt aus betrachtet wäre hier also immer der Hurricane der Vorzug zu geben, auch wenn sie durch den größeren Motor laut Reglement ein Mindestgewicht von 1000g auf die Waage bringen muß, die Bearcat durch den 2,5er aber nur 700g. Zum Glück entscheiden sich viele Piloten bei der Wahl ihres Vorbilds nicht nur nach praktischen Gesichtspunkten, sondern auch nach ihrem Geschmack. Der "Profi" ist von diesen Überlegungen natürlich unbeeindruckt und sucht sich ein möglichst kleines Vorbild aus, bei dessen Nachbau er zwar "nur" einen 2,5er einbauen darf, was jedoch durch den extremen Größenunterschied und das deshalb recht einfach zu erreichende, geringe Gewicht keine Rolle spielt. Aber Vorsicht: Der kleinere Flieger hat zwar in der Theorie deutliche Vorteile, aber man muß das Ding ja schließlich auch noch fliegen, und sehen sollte man es auch noch können. Klar ist so ein Modell deutlich größer als ein Zaunkönig, werden jetzt einige sagen, aber wer hat schon mal einen Zaunkönig mit Tarnlackierung geflogen? Laut Reglement muß das Modell nämlich "... seinem Vorbild ähnlich sehen, auch in Bezug auf die Lackierung und die Abzeichen." Alles klar? Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber ich weiß, wovon ich rede. Meine Rata sieht zwar in der Luft recht schön aus und ist trotz der Winterlackierung auch noch einigermaßen zu erkennen, aber wenn man im Wettbewerb mit bis zu 6 anderen Piloten gleichzeitig fliegen muß sind derartige, vermeintliche Vorteile schnell ins Entgegengesetzte verkehrt. Schließlich braucht man im Dogfight ja noch mindestens ein Auge für die Konkurrenz bzw. deren Fuchsschwänze. Auch sollte man die verfügbaren Motoren bei der Auswahl des Modells nicht außer Acht lassen. Denn was nützt der kleinste Flieger, wenn man nur einen ausgelutschten OS MAX 15 RC oder einen alten HB15 einbaut während die Konkurrenz mit ner Hurricane und einem, im Vergleich recht "scharfem", 3,5er Webra Speed oder MVVS anrückt? Also, vorher mal in der Motorenkiste oder in diversen Katalogen nachschauen.

Die Profile

Grundsätzlich gilt es bei dieser Größe von Modell, ein Profil zu suchen, das auch bei niedrigen Reynoldszahlen funktioniert bzw. das speziell für kleine Re-Zahlen entworfen wurde. Hier hat man dann eine ganze Reihe von hervorragenden Profilen zur Auswahl, wie z.B. die der NACA-Reihe (z.B. der 14er Reihe oder der 24er Reihe), von Prof. Eppler (z.B. E224, E226 oder E374), von Martin Hepperle (z.B. MH 18 ) oder von Prof. Selig (...). Hier muß man "nur" das auf seine Flugkünste und seine Flugtaktik zugeschnittene Profil herausfinden; aber auch die Bauweise sollte in die Profilauswahl mit eingehen, denn S-Schlagprofile wie z.B. das MH18 sind in Holm-Rippen-Bauweise nur sehr schwer nachzubauen. Also lieber das vermeintlich schlechtere Profil nehmen, aber dafür exakt nachbauen; so riesig sind die Unterschiede (bei dieser Art von Modell) ja nun auch wieder nicht. Und außerdem muß man die Dicke beachten, da das Reglement eine Mindestdicke von 10% vorschreibt. Außerdem: was nützt der schnellste Flieger, wenn er keine engen Kurven mehr macht, man also gar keine Chance mehr hat, einen Gegner in der Luft zu erwischen, außer durch Zufall? Oder aber, das Modell ist perfekt, nur fliegt es so viel schneller als die Anderen, so daß man keine Zeit hat, sich nach einem Gegner umzuschauen? Aber Achtung: Egal welches Profil man wählt, man sollte dabei immer auf einen geringen Momentenbeiwert des Profils achten; baut man nämlich sowohl den Flügel als auch das Leitwerk genau im Maßstab nach, so erhält man relativ kleine Leitwerksvolumina (oder auf gut Deutsch: recht kleine Leitwerke bei verdammt kurzem Hebelarm) und damit verbunden sehr hohe Leitwerkskräfte; dies führt dann sehr schnell zu einem Strömungsabriß am Leitwerk, was in der Luft wie eine gerissene Rolle ausschaut. Fast alle bei uns gebauten Doggis zeigen dieses Symptom, da hilft auch eine große Schränkung des Flügels nicht viel. Deshalb das Leitwerk lieber etwas größer als Scale bauen und nie einen zu großen Ausschlag am Höhenleitwerk fliegen. Man kann sich aber auch als "Profi" diese Eigenart zunutze machen und den gesteuerten Leitwerksabriß als extrem schnelles Ausweichmannöver benutzten. Wenn man dann aber, wie mir schon passiert, vor der Landung nicht an das Umschalten auf kleinere Ausschläge denkt, riskiert man meistens eine gerissene Rolle im Landeanflug. Deshalb kann ich allen "Profis" nur raten, immer genügend Sekundenkleber in der Startkiste zu haben.

Die Motoren

Hier gilt wie immer: kugelgelagerte Motoren liefern am meisten Leistung; leider ist die Auswahl an Motoren in der 2,5er Größe doch recht beschränkt. Viele Dogfightpiloten setzen den 2,5er Fox ein, ein Motor aus den USA, der aber leider recht schwer und nicht gerade billig ist. Ich persönlich setze diverse BWF-Motoren ein, die aus der ehem. DDR stammen aber leider nicht mehr hergestellt werden. In Zukunft werde ich deshalb wohl auf den MVVS oder den SC von Simprop umsteigen müssen. Bei den Gleitgelagerten wird viel der Enya, der OS, der Magnum und der Thunder Tigre eingesetzt; leistungsmäßig ist hier wohl der Enya seiner Konkurrenz ein bißchen überlegen. Aber egal welchen Motor man verwendet, auch bei den Doggis heißt es abstimmen, denn nur so kriegt man die maximale Leistung aus seinem Triebling heraus. Als Propeller verwenden wir meist APC, die sind billig und gut, und vor allem gibt es eine gute Auswahl an verschiedenen Größen; als gute Einstiegslatte bei kleineren Fliegern hat sich bei uns die 7x5 sehr gut bewährt. Bei größeren Fliegern sollte es dann aber doch eher eine 8-Zoll Latte sein, wobei man sich hier nach seinem Motor richten muß. Bei den 3,5ern sieht es noch schlechter aus. Die hervorragenden Motoren von Irvine und Webra werden nicht mehr hergestellt. Bleiben als einzige kugelgelagerte Motoren der MDS (über den ich nichts sagen kann) und der MVVS. Dieser ist sehr Leistungsstark. Doch Vorsicht: Der Resonanzschalldämpfer verstößt gegen das Reglement, das ausschließlich Expansionsschalldämpfer vorschreibt. Zum Glück gibt es von MVVS auch den passenden Expansionsschalldämpfer, der allerdings auch nicht zu den leisesten zählt. Hier ist halt noch etwas Tüftelarbeit erforderlich. Selbstverständlich kann man auch Motoren aus der Fesselflugszene ohne Drosselvergaser einsetzen, nur sollte man hier auf einen vernünftigen Drehzahlbereich achten und daß der Motor auch ohne Resorohr betrieben werden kann. das Reglement schreibt jedenfalls nur vor, daß der Motor jederzeit vom Piloten gestoppt werden kann (wenn möglich natürlich ohne Bodenberührung); ein Absteller reicht also völlig aus. Leider sind diese Motoren aber meist sehr teuer,was eigentlich nicht mit der Philosophie der Ausschreibung, alles möglichst einfach und billig zu halten, ist.

Die Bauweise

Die meisten Doggis, die auf Wettbewerben eingesetzt werden, sind konventionell mit Holzrumpf und Flächen aus Syropor/Balsa aufgebaut, aber auch Vollstyroflieger sind aufgrund ihrer kurzen Bauzeit und den einfachen Reparaturen sehr beliebt. Flieger mit GfK-Rümpfen bilden hier eher die Ausnahme. Daß die Doggis auf den Bildern alle ausnahmslos einen GfK-Rumpf haben, manche sogar in Voll GfK-Bauweise entstanden sind, liegt daran, daß bei uns in der Akamodell schön anzusehende Scale Modelle, die auch dem Dogfight-Reglement entsprechen,der Ansatzpunkt waren; und da die meisten Modelle bei uns in Voll GfK-Bauweise entstehen, ist es naheliegend, daß auch diese Art Modelle in dieser Bauweise enstanden sind. Aufgrund der doch hin und wieder vorkommenden Beschädigung eines Modells auf einem Wettbewerb, ist diese Bauweise für den normalen Modellbauer nicht unbedingt empfehlenswert, da die Reparaturen doch wesentlich mehr Zeit und Know-How erfordern. Ich empfehle jedem, der die Fähigkeiten und Möglichkeiten hat, GfK-Rümpfe zu bauen, die Modelle wie die meisten unserer Modelle mit Kunststoffrumpf und Styroflächen zu bauen (ich finde die Vollstyromodelle zwar recht praktisch, aber leider auch sehr häßlich).
Autor: Rüdiger Keck